Adolf Hitlers “Mein Kampf” erobert den AppStore

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Noch am Mittwoch verkündete Apple in einer Pressemitteilung stolz die Verfügbarkeit von über 100.000 Anwendungen in seinem AppStore. iPhone- und iPod touch-Besitzer aus 77 Ländern der Erde könnten aus einer enormen Vielfalt an Programmen aus 20 verschiedenen Kategorien wählen. “Unsere Kunden lieben all die fantastischen Apps, die unsere Entwickler kreieren”, jubelte Marketing-Chef Phil Schiller und hob damit unter anderem die Leistung von rund 125 000 Programmierern hervor, deren Anwendungen seit Eröffnung des AppStore im Juli vergangenen Jahres nicht nur für rund zwei Milliarden Downloads, sondern auch für klingelnde Kassen bei Apple gesorgt haben.

Allerdings hat es in der Vergangenheit nicht jedes Programm auch in den Online-Shop geschafft, weil Kontrolleure die Aufnahme verweigert haben. Die Gründe dafür waren verschieden. Abgelehnt wurden unter anderem Programme, deren Qualität nicht den Richtlinien entsprach oder deren Inhalte nicht mit den internen Zulassungskriterien übereinstimmten. So weit so gut, dennoch gelangten in den vergangenen Monaten immer wieder Anwendungen in den AppStore, die bei den Nutzern für reges Kopfschütteln sorgten. Da gab es beispielsweise die Babyshaker-Software, bei der ein schreiendes Kleinkind durch Schütteln des iPhone ruhig gestellt werden musste. Oder das Fotobewertungs-Tool BeautyMeter, in dem plötzlich Nacktfotos von teilweise minderjährigen Mädchen auftauchten. Die Reihe zweifelhafter Programme, die es trotz Kontrolle durch Apple in den Store geschafft haben, ist lang. Zudem wird die Kritik an dem Gutachtergremium immer lauter.

Zu Recht, wie das jüngste Beispiel zeigt, denn in diesem Fall – den ich für Focus Online recherchiert habe – darf den Aufpassern sicherlich totales Versagen vorgeworfen werden. Im deutschen AppStore steht seit Donnerstag eine spanische E-Book-Ausgabe von Adolf Hitlers Buch “Mein Kampf” zum Download bereit. Hakenkreuz-Icon inklusive. Die 300 Kilobyte große App wird in Form eines E-Book angeboten und kann in der Rubrik Bücher für 1,59 Euro heruntergeladen werden. Zudem verpassten die Apple-Kontrolleure dem Buch eine Altersfreigabe ab neun Jahren. Begründet wird dieser Schritt mit schwach ausgeprägten Szenen, die erotische Anspielungen enthalten.

Die Aufregung über das Versagen der Gutachter ist natürlich riesig. In zahlreichen Blogs, Foren und bei Twitter – nicht nur hierzulande, sondern auch im Apple-Heimatland USA – machen sich Empörung und Unverständnis breit. In Deutschland ist die Veröffentlichung des umstrittenen Buches jedenfalls nicht erlaubt. Grund dafür ist allerdings – entgegen vieler Annahmen – kein gesetzliches Verbot, sondern der Freistaat Bayern, der seit Ende des Zweiten Weltkrieges das Urheberrecht an dem Buch hält und seitdem vehement versucht, jegliche Nachdrucke zu verhindern. Dass Ricardo Reyes, der mexikanische Entwickler der spanischen E-Book-Ausgabe, von der bayrischen Staatsregierung die Erlaubnis für die Veröffentlichung bekommen hat, darf allerdings bezweifelt werden. Ob der Verstoß gegen das Urheberrecht für ihn rechtliche Folgen haben wird, wird sich zeigen. Der Besitz von “Mein Kampf” ist übrigens nicht strafbar. Ebenso wenig wie der Vertrieb der Original-Ausgaben über Antiquariate.

Noch problematischer dürfte hingegen die Verwendung des Hakenkreuzes sein, denn laut geltendem Recht ist der Gebrauch des Symbols hierzulande verboten. Ein Verstoß kann laut Paragraph 86a des Strafgesetzbuches mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. Und genau das dürfte eine interessante Fragestellung aufwerfen. Wer kann bei diesem Verstoß zur Verantwortung gezogen werden – der Privatmann Ricardo Reyes oder das Unternehmen Apple, das das Hitler-Werk nebst Hakenkreuz-Icon trotz sorgfältiger Qualitäts- und Inhaltskontrollen für den Verkauf in seinem Online-Shop freigegeben hat?

Mittlerweile hat Apple auf die zahlreichen Proteste reagiert und das Buch kommentarlos aus seinem AppStore-Angebot entfernt.

07. November 2009 von Michael Friedrichs
Kategorien: Apple, Internet, Software | Schlagwörter: , , , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Hallo Herr Friedrichs,
    ich entschuldige mich bei Ihnen, dass ich Ihren Artikel ohne Verlinkung und Benennung Ihres Namens in meinem Blog veröffentlicht habe. Ich habe dies berichtigt und hoffe, dass dies nun für Sie in Ordnung ist. Falls Sie auf die Löschung des Posts bestehen, werde ich das freilich tun. Ich fand den Artikel nur so gut, dass ich ihn komplett übernommen hatte.

    Gruß

    Jürgen Knösch

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