APPgecheckt: Die deutsche WIRED iPad-App im Test – tolle Bilder, wenig Text

Nun ist sie endlich da, die erste deutsche WIRED-Ausgabe. Lange wurde darüber geredet, noch länger wurde darauf gewartet. Seit heute Morgen ist die deutsche WIRED jedenfalls in jedem guten Zeitschriftenladen erhältlich – als Bundle mit dem Männer-Magazin GQ zum Preis von fünf Euro. In ein paar Tagen soll es die WIRED dann auch als Stand-Alone-Version geben. Ich habe mich jedenfalls gegen den Kauf der Print-Ausgabe (was soll ich mit der GQ anfangen) entschieden und dafür heute Morgen gleich nach dem Aufstehen die entsprechende iPad-App für 2,99 Euro im AppStore von Apple erworben.

Der Download der deutschen WIRED-APP dauerte nur wenige Sekunden, das Herunterladen der digitalen Erstausgabe trotz schneller DSL-Verbindung hingegen eine gefühlte Ewigkeit. Stolze 663 Megabyte ist der Download mächtig. Nicht gerade wenig, wenn ihr mich fragt. Im Vergleich mit den digitalen Ausgaben der amerikanischen WIRED nimmt das deutsche Magazin hier leider keine Vorreiterrolle ein. Schade eigentlich. Gestört hat mich auch die Meldung “Download wurde angehalten”, weil anscheinend die Server überlastet waren. Einzige Lösung: Download abbrechen und neu starten. Das Fortsetzen des Downloads wurde übrigens nicht angeboten. Ebenfalls weniger gut gelöst ist das Folgende: Zur Überbrückung der Wartezeit wollte ich mir schon mal den heruntergelandenen Teil der WIRED anschauen, was zwar ohne Probleme funktioniert hat, aber einen erneuten Abbruch des Downloads zur Folge hatte. Warum ist es nicht möglich, den Download im Hintergrund weiterlaufen zu lassen? Bei “The Daily” ist dies wunderbar gelöst worden, wie ich finde.


Sind alle diese Hürden erfolgreich genommen worden, kann das Schmökern in der ersten deutschen WIRED beginnen. Und ja, es macht Spaß – und wenn das Lesevergnügen nur von kurzer Dauer ist. Die Navigation ist einfach und selbsterklärend, der Aufbau der Seiten nach dem Umblättern oder Scrollen erfolgt ohne große Wartezeiten. Ebenso der Wechsel der Ansichten von Hoch- auf Querformat – und umgekehrt. Jede Menge toller Bilder (meinen Glückwunsch zur Auswahl der Fotografen), jede Menge Werbung (nicht so toll), ein paar Videos (insbesondere in den Werbeanzeigen von BMW und VW) und Animationen wie beispielsweise auf der Titelseite oder in der Geschichte über Internationales Verbrechen. Auch ein paar interaktive Elemente sind vorhanden. Die erhofften Wow-Effekte habe ich allerdings vergeblich gesucht. Unschön fand ich auch die Tatsache, dass die Texte nicht gerade lange sind – oder sollte ich besser viel zu kurz sagen? Ein großes Bild, darunter ein paar Zeilen Text sind die Regel. Ausnahmen gibt es zum Glück aber auch. So wie die Kolumne von Richard Gutjahr, die mehr sehr gut gefallen hat, aber meiner Meinung nach auch länger hätte sein können.

Mein Fazit: Die deutsche digitale Erstausgabe der WIRED macht Spaß. Chefredakteur Thomas Knüwer und sein Team haben dem Leser ein gutes Ergebnis abgeliefert. Die Themen sind stimmig und passen in das nerdige WIRED-Umfeld. Leser, die jedoch auf den großen Wurf gewartet haben, werden vermutlich enttäuscht sein. Auch einige (viel zu hohe) Erwartungen dürften mit der Erstausgabe nicht erfüllt worden sein. In diesem Zusammenhang ist es auch nicht verwunderlich, dass die erhofften Wow-Effekte ausgeblieben sind. Mein Wunsch für die nächste WIRED-Ausgabe: einen schlankeren Download und längere Texte – dann bin ich beim nächsten Mal wieder mit an Bord und gebe sogar gerne 2,99 Euro dafür aus.

08. September 2011 von Michael Friedrichs
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