Kuscht der Buchhandel vor dem WWF?

Das „Schwarzbuch WWF – Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda“ sorgt für weitere Diskussionen. Kurz nach Erscheinen des Buches von Wilfried Huismann („Der Pakt mit dem Panda – was uns der WWF verschweigt„) haben zahlreiche Buchhändler im Auftrag des WWF von einer renommierten Anwaltskanzlei Post bekommen und stellten daraufhin den Verkauf des Schwarzbuches bis zur gerichtlichen Klärung (am 15. Juni vor dem Landgericht Köln) ein. Und genau hier wird die Diskussion zunehmend interessanter, zumal der genaue Inhalt des Schreibens an die Buchhändler bis dato nicht durchgesickert ist und aus diesem Grund Stoff für Spekulationen bietet. Von einer reinen Vorabinformationen ist die Rede, oder von einem nett formulierten „Warnbrief“, mit dem Ziel, den weiteren Verkauf schon vor dem Gerichtstermin zu unterbinden. Der WWF hat sich zu dieser Frage trotz mehrfachem Transparenzversprechen bislang noch nicht geäußert oder gar das Schreiben veröffentlicht, wie auf der WWF-Facebook-Seite beispielsweise gefordert. Wenn es ein unverbindliche Vorabinformation war, dürfte dies doch kein Problem sein, oder sehe ich das falsch?

Was auch immer in dem Schreiben an die Buchhändler stand, es hat seine Wirkung gezeigt. Das Buch ist bei allen großen Online-Buchhändlern nicht mehr gelistet, im lokalen Buchhandel sind die Chancen ebenfalls gleich Null. Der WWF dürfte mit dem Erfolg jedenfalls zufrieden sein. Nicht verwunderlich also, dass bereits an verschiedenen Stellen die Frage laut wird, ob der Buchhandel vor dem WWF kuscht? Eine der ersten Antworten gaben die Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Auch das Branchenportal BuchMarkt hat sich mit diesem Thema beschäftigt und Klaus Altepost, dem Verlagsleiter des Gütersloher Verlagshauses (wo das „Schwarzbuch WWF“ erschienen ist) um ein Interview gebeten.

Buchmarkt: Wie kam es, dass zahlreiche Buchhändler das „Schwarzbuch WWF“ von Wilfried Huismann still und heimlich aus dem Sortiment genommen haben, obwohl es gar keine Einstweilige Verfügung gegen das Buch gibt?

Klaus Altepost: Der WWF ist offenbar wild entschlossen, gegen das Schwarzbuch die ganz große juristische Keule zu schwingen. Als die von den Naturschützern mandatierte Promi-Medienkanzlei aus Berlin den Verlag und den Autor abgemahnt hatten, informierten sie parallel dazu große Buchanbieter von diesem Umstand und warnten diese, man werde auch gegen andere „Störer“ vorgehen. Als der Verlag wegen des unabsehbaren Umfangs der Abmahnungen nicht bereit war, den Händlern alle Kostenrisiken eines möglichen Rechtsstreits abzunehmen, strichen viele von ihnen umgehend den Titel aus dem Programm.

Wer das unzensierte „Schwarzbuch WWF – Dunkle Geschäfte im Zeichen des Pandas“ vor dem juristischen Tauziehen noch schnell bestellen möchte, kann dies auf der Webseite von Random House noch problemlos tun.

06. Juni 2012 von Michael Friedrichs
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