Mutige PR-Aktion: „Buchhandel kuscht vor WWF. Wir nicht!“

Kuscht der Buchhandel vor dem WWF? Schlagzeilen wie diese machten in den vergangenen Tagen in den Medien die Runde. Die Hintergrund ist schnell erzählt. Ende April veröffentlicht der Filmemacher Wilfried Huismann beim Gütersloher Verlagshaus (Random House) sein „Schwarzbuch WWF – Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda„. Darin werden unter anderem Sachen behauptet, die dem WWF – salopp gesagt – so gar nicht ins Konzept passen und laut WWF auch nicht zutreffend sind. Daraufhin ließ der WWF die Anwälte von der Kette, um juristisch gegen die weitere Veröffentlichung des Buches vorzugehen. Allerdings informierten die Anwälte nicht nur den Autoren und den betreffenden Verlag über diesen Schritt, sondern schrieben auch gleich die wichtigsten Grossisten an. Mit dem „gewünschten“ Ergebnis, dass das „Schwarzbuch WWF“ seit dem nur noch schwer zu bekommen ist.

Doch zurück zu der mutigen PR-Aktion. Wie das Börsenblatt berichtet, hat der Tübinger Filialist Osiander schnell reagiert und bekannt gegeben, die Schaufenster seiner Buchläden passend zu dem Thema „Schwarzbuch WWF“ zu gestalten und darüber hinaus ein Plakat mit der Schlagzeite „Der Buchhandel kuscht vor dem WWF. Wir nicht!“ auszuhängen. Und diese Aktion fand prompt Mitstreiter in der Branche. Auf Bitte der buchhändlerischen Genossenschaft eBuch hat Osiander das Plakat nun allen Buchhändlern zur freien Verfügung gestellt. Laut Mitteilung auf der eBuch-Webseite sei der Verkauf des umstrittenen Buches bis zur mündlichen Verhandlung am 15. Juni vor dem Landgericht Köln schließlich nicht untersagt. Weiter heißt es: „Es ist bedauerlich (wenn auch verständlich), daß sich alle unsere Großhändler der Drohung mit ‚Störerhaftung‘ gebeugt haben“.

Auch die Rechtsabteilung des Börsenvereins hat sich mittlerweile zu der Sache geäußert und rät laut Buchreport allen Buchhändlern, Kontakt mit dem Verlag aufzunehmen, um sich über den aktuellen Stand des Rechtsstreits zu informieren.

Nachtrag: Nach eigenen Angaben besteht eBuch aus über 500 Buchhandlungen (Stand April 2010) in Deutschland, Österreich, Italien und Spanien. Damit ist die eBuch der größte genossenschaftliche Verband im deutschen Buchhandel. Gemessen am Außenumsatz von 47 Millionen Euro ist die eBuch eG die siebtgrößte deutsche Buchhandelskette. Osiander gehört laut der Unternehmens-Webseite zu den zehn größten Sortimentsbuchhandlungen Deutschlands und ist das zweitgrößte familiengeführte Buchhandelsunternehmen. Vor diesem Hintergrund hat die „Wir nicht!“-Aktion auch gleich einen anderen Stellenwert. Laut NDR-Bericht haben die Unternehmen wohl kurz nach Bekanntwerden der mutigen Aktion Post vom WWF-Anwalt bekommen.

06. Juni 2012 von Michael Friedrichs
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