Nur ein Gerücht? AOL will Mashable übernehmen

Viel Lärm um nichts oder ist an dem Gerücht etwas wahres dran, dass AOL das erfolgreiche US-Tech-Blog Mashable übernehmen will? Es scheint jedenfalls so. Die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien seien mittlerweile so weit fortgeschritten, dass der Vertragsabschluss kurz bevorstehe, berichtet Ryan Tate von Gawker und beruft sich dabei auf ein paar Tippgeber aus dem Unternehmensumfeld. Rückenwind bekommt Tate von Robert Scoble. Der bekannte Tech-Blogger will ebenfalls von der bevorstehenden Übernahme von Mashable durch AOL erfahren haben. Seine Quellen hätten ihm zudem bestätigt, dass der Kaufvertrag bereits unterschrieben sei.

Eine offizielle Bestätigung der Übernahme steht noch aus. Während im AOL-Hauptquartier völlige Funkstille herrscht, hat sich immerhin Mashable-Chef Pete Cashmore zu Wort gemeldet: „Wir kommentieren keine Gerüchte. Unsere Autoren genießen einen sehr guten Ruf und wir bezahlen sie ordentlich für ihre unermüdliche Arbeit“. Ein klares Dementi hört sich für mich irgendwie anders an. Ein bisschen seltsam finde ich zudem den zweiten Satz mit dem Hinweis auf seine fähigen Mitarbeiter. Man könnte meinen, er würde im Falle einer Übernahme ihren Marktwert anpreisen. Apropos Mitarbeiter: Sie haben von ihrem Chef einen Maulkorb verpasst bekommen. Egal, wer von wem auch immer gefragt wurde, es gab stets die gleiche Antwort: „Kein Kommentar“.

Eine Übernahme würde aus AOL-Sicht jedenfalls durchaus Sinn machen. Mashable gehört mit acht Millionen Besuchern und zwölf Millionen Seitenaufrufen im Monat zu einflussreichsten und wichtigsten Blogs in den USA. Ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist ein Twitter-Account mit rund zwei Millionen Followern sowie ein RSS-Feed mit stolzen 350.000 Abonnenten. Für eine Übernahme spricht auch, dass Mashable im Sommer letzten Jahres seinen Konkurrenten TechCrunch vom Thron der Tech-Blogs gestoßen hat. Und jetzt kommt ein interessantes Detail. Vor knapp einem Jahr hat AOL bereits versucht, TechCrunch (damals noch die Nummer 1 in der Branche) zu kaufen. Was allerdings ordentlich in die Hose ging, denn Michael Arrington lehnte das Angebot (es wird von 30 Millionen Dollar gemunkelt) ab. Zu wenig.

Doch AOL scheint die Hoffnung nicht aufgegeben zu haben. Da Mashable mittlerweile das einflussreichste Tech-Blog in der Branche ist und nicht mehr TechCrunch, wird jetzt anscheinend mit Pete Cashmore über eine Übernahme verhandelt. Ich bin jedenfalls schon auf die Summe gespannt, die AOL hierfür zu zahlen bereit ist. Sind sich beide Parteien über den Kaufpreis einig, kann sich Mashable in eine ganze Reihe von hochwertigen AOL-Blogs (fast 80 an der Zahl) einfügen. Das gleiche Schicksal ereilte übrigens auch Engadget. Das bekannte Tech-Blog wurde 2005 übernommen.

Update (08.01.): Auf seinem Tumblr-Profil hat sich Pete Cashmore mittlerweile etwas ausführlicher geäußert:

While commenting on speculation isn’t something I’ve done in the past, I think it would be nice to keep our community in the loop as much as we can on recent Mashable-related rumors. And with our writers on the ground at CES this week, I think it’s especially important to keep our focus on the real news.

We’re very open to partnerships and always talk with those that get in touch. We’ve certainly spoken to lots of potential partners, some of those conversations more significant than others. But I don’t feel that any of those conversations reached a point at which Mashable is likely to cease being independent.

07. Januar 2010 von Michael Friedrichs
Kategorien: Blogging, Internet | Schlagwörter: , , , | Kommentare deaktiviert für Nur ein Gerücht? AOL will Mashable übernehmen