Warning: Creating default object from empty value in /var/www/web64/html/michaelfriedrichs/wp-content/plugins/wpseo/wpseo.php on line 14
 Der Pakt mit dem Panda: PR-Desaster beim WWF. Um 18 Uhr war der Dialog zu Ende - Shitstorm, PR-Desater, Panda - Michael Friedrichs

Der Pakt mit dem Panda: PR-Desaster beim WWF. Um 18 Uhr war der Dialog zu Ende

Einen wahren Shitstorm erlebt derzeit die weltgrößte Umweltschutzorganisation WWF. Nach Ausstrahlung der kritischen Doku “Der Pakt mit dem Panda – Was uns der WWF verschweigt” in der ARD am Mittwochabend gehen Zuschauer und Spender auf die Barrikaden und wollen nun zurecht von der WWF wissen, was an den Vorwürfen der TV-Doku dran ist.

Nach anfänglichem Schweigen haben die Umweltschützer reagiert und Donnerstagmittag eine Gegendarstellung in Form eines Faktenchecks veröffentlicht. Ziemlich spät in Anbetracht dessen, dass die ersten Fragen und Kommentare bereits während der Ausstrahlung auf der offiziellen Facebook-Fanseite des WWF gepostet wurden. Doch nicht nur da: Auch auf Twitter bewegte die Doku die Gemüter der Zuschauer. Warum die Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beziehungsweise das Social Media-Team nicht zeitnah reagiert haben, ist mir ein Rätsel – zumal davon ausgegangen werden kann, dass der Inhalt der kritischen TV-Doku im Vorfeld der Ausstrahlung in der ARD bereits bekannt und daher genug Zeit war, sich auf die Zuschauerreaktionen entsprechend vorzubereiten. Schließlich lief die Doku (fast unbemerkt) ein paar Tage vorher ja schon einmal in einem öffentlich-rechtlichen Sender.

Kommentarfunktion deaktiviert

Zusätzlich zum Faktencheck lud der WWF die Zuschauer zur Diskussion auf ihrer Homepage ein. Gute Idee übrigens, die Resonanz war nämlich wie erwartet enorm. Zwei Stunden nach Veröffentlichung gab es bereits 200 Kommentare, am Abend waren bereits rund 650 Kommentare gelistet. Der WWF hat sich laut disqus-Profil in der Diskussion ganze 72 mal zu Wort gemeldet. Gegen 18 Uhr wurde allerdings die Kommentar-Funktion deaktiviert, mit dem Hinweis, dass man sich nun aus dem Chat (welcher Chat?) zurückziehen und weitere Fragen erst am nächsten Tag wieder beantworten werde.

Hier der O-Ton:

Liebe Leute, wir ziehen uns jetzt für heute aus dem Chat zurück und sind morgen wieder für Euch da… Lieben Dank für die vielen Fragen, wir haben versucht, so gut es geht und nach bestem Gewissen zu antworten. Euer WWF

Gleiche Vorgehensweise übrigens auch auf der Facebook-Fanseite, wo die Kommunikation übrigens ziemlich einseitig war:

Liebe Leute, wir ziehen uns für heute aus der Facebook-Diskussion zurück und sind morgen wieder für Euch da. Wir hoffen, wir konnten die stark tendenziösen und falsch recherchierten Aussagen mit unserer Seite http://www.wwf.de/faktencheck anfangen zu widerlegen. Bitte habt Verständnis, das wir nicht sofort auf alle Anfragen antworten, leider ist das personell nicht machbar. Viele Grüße an Euch, Paula (Hannemann) vom WWF.

Offizieller Twitter-Account offline

Bei Twitter wird die Kommunikation mit dem WWF noch schwieriger. Der offizielle Twitter-Account @WWF_anwortet ist seit einigen Stunden nicht mehr erreichbar. Wurde der Kommunikationskanal gelöscht oder einfach offline genommen, um der Fragenflut Herr zu werden? In den Kommentaren findet sich jedenfalls von Seitens der WWF kein Hinweis dazu. Etwas seltsam ist es aber dennoch, zumal der WWF in den Kommentaren auf ihrer Homepage betont hat, mit den Zuschauern und Spendern in einen Dialog treten zu wollen.

Liebe User,
mit Sicherheit hat euch die gestrige Doku in der ARD bewegt. Wir möchten mit euch in Dialog treten und sind sicher, dass wir die Anschuldigungen entkräften und euch beweisen können, dass Vertrauen in unsere Organisation uneingeschränkt gerechtfertigt ist!!!

Eigene Wikipedia-Seite bereits online

Meiner Meinung nach ist es ein absolutes NO-GO, in so einer Situation die berechtigte Kommunikation mit den Zuschauern von Bürozeiten abhängig zu machen. Krisen-PR sieht anders aus – und so ein Vorgehen kann schnell nach hinten losgehen, da sich die enttäuschten “Dialog-Willigen” dann eine andere – nicht vom WWF kontrollierte – Plattform suchen und eben dort weiter diskutieren werden. Wie fix das gehen kann, sieht man unter anderem daran, dass es bereits eine eigene Wikipedia-Seite zu dem Thema gibt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Gründung eines “WWF-Pakt mit dem Panda”-Wikis, deren Mitglieder die Vorwürfe der TV-Doku genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Auch in zahlreichen “Berater-Blogs” ist das PR-Desaster der Umweltschützer angekommen. Lesenswert sind unter anderen die Beiträge von Thomas Knüwer , Helge Weinberg und Thomas Hutter.

23. Juni 2011 von Michael Friedrichs
Kategorien: Marketing, Medien, Social Media | Schlagwörter: , , , , | 19 Kommentare

Kommentare (19)

  1. dieser faktencheck auf der WWF seite scheint ein wenig lächerlich zu sein, angesichts der kontroverse…wie wäre es mit einer 1:1 audio-visuellen gegendarstellung?

  2. @ Hurkunde
    Hi,
    ich höre mir alle Meinungen an, daher meine Frage an Dich:
    wieso sind deren Gegendarstellungen lächerlich?
    Immerhin kommentieren die etwas und verstecken sich nicht wie der AWD, Kick und Schlecker.

    Alle Fragen werden bislang durch den WWF natürlich nicht beantwortet, das muss sich ändern.

  3. aus den kommentaren des wwf wird ersichtlich, dass der inhalt des films vorher nicht bekannt war. huismann selbst gab zu, dass dies wohl eine nicht-ausstrahlung des film zur folge gehabt hätte – bitte genauer recherchieren. danke (ansonsten netter beitrag).
    vielleicht noch die kritik an der kritik zu bürozeiten: bleiben wir doch mal menschlich.
    danke.

  4. Nicht sehr glaubwürdig, zumal die Doku nicht zum ersten Mal im öffentlich-rechtlichen TV gezeigt wurde (rund eine Woche vor der Ausstrahlung in der ARD schon einmal) und der WWF gegen die Pressemeldung der ARD vom 11. Mai (!!) rechtlich vorgegangen ist. Gibt es eine Quelle für das Statement von Huismann? Hab es bis jetzt nirgendwo gelesen.

    Menschlich hin oder her. “Ereignisse” richten sich selten nach Bürozeiten und wenn das Interesse so groß ist, dass pro Stunde auf der WWF-Seite 100-150 neue Kommentare aufschlagen, finde ich es schon heftig, um 18 Uhr zu sagen, Feierabend. Wäre 20/21 Uhr Schluss gewesen, sehe die Sache sicher etwas anders aus. Ich möchte dem WWF ja nichts unterstellen, es könnte auch Taktik gewesen sein, weil am nächsten Tag “deutlich weniger los” war in den Kommentaren.

  5. das war ein interview von huismann bei swr radio – glaube am abend vorher.
    der film wurde vorher angekündigt aber nicht vorher gezeigt. “uraufführung” war 21uhr in bremen in einem kino bzw. auf laptops einzelner ausgewählter journalisten (glaube von der süddeutschen)

    ich bleibe dabei: bleiben wir menschlich!

  6. Ich finde es extrem übertrieben einer Gemeinnützigen Organisation vorzuwerfen, dass sie nicht ausreichend verfügbar war. Viele da arbeiten ehrenamtlich oder für ein geringes Taschengeld. Da kann man nicht mal eben eine Armee aktivieren um hunderttausenden tweets zu antworten!
    Ich finde der WWF hat sehr ausführlich auf die (zum gr0ßen Teil unhaltbaren) Vorwürfe des Films reagiert. Warum sollte man Behauptungen eines Films glauben? Warum sollte man Behauptungen des WWF glauben? Man sollte beides kritisch prüfen und nicht einfach glauben, dass der Film einem die Augen öffnet.
    Der WWF hatte zudem vor Gericht schon ziemlichen Erfolg. Einige Aussagen mussten fallen gelassen werden, weil die Unterlassungsklage erfolgreich war.

    Ein Film kann Augen öffnen. Wenn er aber einseitig ist, wie viele solcher Filme nun mal sind, sollte man die andere Seite der Medaille sehen. Nur dann können wir die Wahrheit rausbekommen.

    Ich

  7. Tut mir leid, dass ich widersprechen muss. Auf der Ebene (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) arbeiten höchstens die Praktikanten für ein Taschengeld, die festangestellten WWF-Mitarbeiter in der Pressestelle sicherlich nicht. Von daher kann der Zuschauer/Spender auch jede Menge erwarten. Der WWF “verwaltet” pro Jahr Spendengelder von rund 500 Mio. US-Dollar und gibt nicht wenig für die Gehälter seiner Mitarbeiter aus.

  8. widerspruch an deftone: der wwf ist nicht gerichtlich vorgegangen.

    widerspruch an michael friedrichs: gehälter sind sicher geringer als in der freien wirtschaft und die anzahl der ma dürfte geringer sein (wirtschaftsliche/effiziente mittelverwendung)

  9. Einigen wir uns darauf, dass der WWF anwaltlich gegen die ARD (genauer gesagt gegen einige Formulierungen einer Pressemitteilung (Ankündigung der TV-Doku) vom 11. Mai 2011) mit rechtlichen Mitteln vorgegangen ist. Insofern dürften die Vorwürfe gegen den WWF nicht wirklich überraschend kommen.

    Über die Höhe der Gehälter kann ich natürlich nichts sagen. Aber wenn der neue WWF-Kommunikationschef (seit Mai im Amt) von der Deutschen Welle, wo er nach eigenen Angaben Leiter des Online- und Radioangebotes und Leiter der Berliner Fernsehdirektion der Deutsche Welle war, zu den Umweltschützern (und in deren Geschäftsleitung) gewechselt ist, dürfte er nun sicherlich finanziell nicht schlechter gestellt sein als vorher.

  10. Aus erster Hand weiß ich, dass die Gehälter nicht schlecht sind. Eine Berufsanfängerin aus dem Bereich Geowissenschaften kriegt schonmal rund 45.000 €, was ich, ebenfalls in der Branche selbst mit Berufserfahrung in der freien Wirtschaft nicht so schnell finde. Das Gerücht, dass die freie Wirtschaft so viel besser bezahlt, kann ich aus meinen Erfahrungen in den Branchen Bauingenieur, Krankenpflege und eben Geowissenschaften nicht nachvollziehen. Da ist man meistens mit einem sicheren Job im öffentlichen Bereich deutlich sicherer und besser gestellt.

    Beim WWF habe ich auch den Eindruck, dass viele junge Menschen eingestellt werden, die dann sehr gut bezahlt werden und dadurch vielleicht nicht so kritisch den Machenschaften der Spitze gegenüber stehen. Das ist natürlich nur mein ganz persönliches Bauchgefühl. Würde ich für so eine Organisation arbeiten, würde es mir primär um den Naturschutz gehen und erst in zweiter Reihe um die Bezahlung.

  11. Die Forderung, dass WWF-Mitarbeiter (oder irgendwer sonst auf dieser Welt) noch nach 22 Uhr einem “Shitstorm” zur Verfügung stehen sollen, ist m.E. ziemlich menschenverachtend. Egal in welcher Funktion jemand arbeitet: wenn nicht grade ein AKW hoch gegangen ist oder ein Kriegseinsatz droht, hat er/sie ein Recht auf übliche Arbeitszeiten – und die waren hier mit 22 Uhr ja schon weit weit überdehnt.

    Bloß weil alle Welt in der eigenen Freizeit im Web diskutiert, muss das nicht zu einer “always on”-Pflicht arbeitender Menschen führen. Nicht Be-, sondern ENTSCHLEUNIGUNG der Diskussionen ist da m.E. das Angesagte.

  12. Von einer Forderung, auch nach 22 Uhr noch Rede und Antwort zu stehen, habe ich in meinem Blog jedenfalls noch nichts gelesen. Ich selbst habe 20/21 Uhr ins Spiel gebracht. Das war es aber auch schon. Fakt ist: Krisen-Kommunikation und Social Media halten sich selten an normale Arbeitszeiten. Schön wär’s ;-) Und wenn dann mal wegen einer aktuellen Sache ein paar Überstunden gemacht werden müssen, ist das meines Erachtens auch in Ordnung, zumal die Geschichte für das Image des WWF ja nicht gerade unwichtig ist.

  13. zum gehalt. wwf hat das nicht offen gelegt aber greenpeace. das dürfte sich wohl kaum was nehmen: http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/wir_ueber_uns/jobs_bei_greenpeace/Kurzfassung_Gehaltsmodell_1.1.2011.pdf
    wertungsfrei. einfach zur info ;-)

  14. Hallo Michael,

    vielleicht interessiert dich folgender Link zur Chronologie unserer Social Media Kommunikation:
    http://on.fb.me/mtHFkZ

    Liebe Grüße, Paula

  15. Hallo,

    gerne wollte ich noch etwas aus EIGENER Erfahrung beitragen. Vor vielen Jahren habe ich mich beim WWF für eine wichtige leitende Position beworben, weil ich mich mit dem Umweltschutz identifiziere. Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch mit zwei führenden Persönlichkeiten des WWF Deutschland eingeladen. Zu meiner extremen Überraschung (und meinem Unbehagen) zeigten beide Persönlichkeiten überhaupt kein Interesse am Thema Umwelt-, Natur- oder Artenschutz. Keine Silbe wurde darüber gesprochen. Das einzige Thema war, wie der WWF mehr Geld verdienen kann. Sie zeigten mir ihre Modelle des Verkaufs Ihres Panda-Logos etc. an die Industrie und sprachen davon, dass man sich auch Neues einfallen lassen müsse. Ich fühlte mich da sehr unwohl. Ich bin sehr froh, dass ich die Stelle nicht angeboten bekam.

    In den Jahren danach habe ich immer die Pressemeldungen des WWF sehr aufmerksam beobachtet und ich habe festgestellt, dass die eine ganz tolle (sicher sehr gut bezahlte) PR-Mannschaft haben müssen. Der WWF stellt selbst so gut wie keine einzige Studie an, aber sie beobachten ständig die wissenschaftlichen Veröffentlichungen wie ein Löwe die Gazellen. Und wenn etwas Passendes daher kommt, packen sie es und veröffentlichen es als eigene Stellungnahme – wissenschaftlich abgesichert.

    Dieses idiotische Spiel der kostenlosen Werbung für den WWF haben auch hochseriöse Medien wie die Tagesschau und seriöse Zeitungen überhaupt nicht begriffen und deshalb mitgespielt. Sie haben dann munter unter Bezugnahme auf den WWF die Studien anderer Wissenschaftler zitiert, die mit dem WWF gar nichts zu tun haben.

    Der Film “Der Pakt mit dem Panda – Was uns der WWF verschweigt” ist für mich sehr glaubhaft. Es ist halt noch schlimmer als ich dachte. Wer umweltzerstörenden Industrieunternehmen ein Öko-Siegel aufdrückt und dafür Geld bekommt, der ist kriminell. Es handelt sich um eine kriminelle Organisation, die man im übertragenen Sinne laut Wikipedia auch als Mafia-Organisation bezeichnen kann, es handelt sich um organisierte Kriminalität. Wie das so lange verborgen bleiben konnte, ist mir schleierhaft.

    Dass der Film diese kriminelle Energie des WWF aufdeckt, ist ein Glücksfall.

  16. lieber wissenschaftler,
    mit ihren aussagen bewegen sie sich in juristisch heiklem gebiet…es sei denn, sie haben beweise für ihre behauptungen, dass der wwf kriminelle aktivitäten betreibt.
    gruß
    kh

  17. Tatsächlich ließ beim Shitstorm 2011 eine angemessene Reaktion des WWF zu lange auf sich warten – jedenfalls für den Geschmack der Social Media-Community . Ob die Wartezeiten 2012 ähnlich lange ausfallen? Denn gerade rollt der Spiegel das Thema wieder auf (http://www.media-advice-blog.de/post/Die-WWF-Krise-wird-nachhaltig)….