pcwelt.de: Journalistenverband DJV warnt vor Mini-Honoraren

Mein Blogbeitrag „Qualitätsautoren (!) bei PC-Welt gesucht, für 10 Euro pro News“ macht die Runde. Nun hat sich auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) in der Sache zu Wort gemeldet und vor ein paar Minuten einen Pressemittteilung dazu verschickt, in der der Verband insbesondere freiberufliche Journalisten vor den Mini-Honoraren von pcwelt.de warnt. Mit Honoraren in dieser Größenordnung werde die Vergütung von Freien auf das Niveau von Hartz-IV-Empfängern gedrückt. Kein freier Journalist sollte seine Leistungen zu solchen Konditionen anbieten, so der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in der Pressemitteilung.

DJV warnt vor Mini-Honoraren
17. Mai. 2011 – Der Deutsche Journalisten-Verband hat freie Journalistinnen und Journalisten vor einer aktuellen Ausschreibung der Plattform pc-welt.de gewarnt. Wie der Chefredakteur des Online-Magazins dem DJV auf Nachfrage bestätigte, sucht pc-welt.de freiberufliche Autoren für Nachrichten. Die Vergütung solle zwischen 10 und 30 Euro pro News liegen. Die Textlänge bewege sich zwischen 300 und 500 Zeichen. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken bezeichnete die Honorarhöhe als völlig inakzeptabel: „Mit Honoraren in dieser Größenordnung wird die Vergütung von Freien auf das Niveau von Hartz-IV-Empfängern gedrückt. Kein freier Journalist sollte seine Leistungen zu solchen Konditionen anbieten.“

So niedrige Honorare für journalistische Leistungen stellten einen klaren Verstoß gegen das Urhebervertragsrecht dar, das die Angemessenheit der Vergütung betone, sagte der DJV-Vorsitzende. Dieser Fall unterstreiche die Notwendigkeit von gemeinsamen Vergütungsregeln zur Festlegung verbindlicher Mindesthonorare.

Vielen Dank übrigens an dieser Stelle noch einmal für die vielen Kommentare, ReTweets, Facebook-Liks, etc. Allein gestern haben rund 4.000 Leser meinen Blogpost gelesen.

UPDATE: Auch turi2.de hat das Thema aufgegriffen: hier (17. Mai), hier (ebenfalls 17. Mai) und hier (18. Mai)

Meistgeklickter Link gestern Abend war das Zitat von DJV-Chef Michael Konken zu „Dumpinghonoraren“ bei pc-welt.de: „Mit Honoraren in dieser Größenordnung wird die Vergütung von Freien auf das Niveau von Hartz-IV-Empfängern gedrückt.“

17. Mai 2011 von Michael Friedrichs
Kategorien: Medien | Schlagwörter: , , | 11 Kommentare

Kommentare (11)

  1. Wie schon beim anderen Eintrag geschrieben:
    Newsbezahlung =/ Artikelbezahlung

    Aber vom DJV (und vor allem seinem Bundesvorsitzenden) erwarte ich inzwischen gar nicht mehr, dass sie sich mit den Inhalten auseinandersetzen, bevor sie irgendwas raustrompeten. Seit sie sich beim Thema Google so an die Verleger herangewanzt haben, sind sie meiner Meinung nach nicht mehr ernstzunehmen.

  2. Vielleicht noch als Nachtrag:
    Witzigerweise liegt die Bezahlung (bei 30 Euro/500 Zeichen) über dem, was der DJV für seine Freien bei den Verlegern einfordert. Zumdindest, soweit man das aus diesen verschwurbelten Honorarinfos http://www.djv.de/Honorare.517.0.html beim DJV überhaupt herauslesen kann. Mir kommt das alles wie eine Hexenjagd vor, mit dem eine ramponierte Berufsvereinigung ihr Image aufbessern will.
    (Noch ein Disclaimer: Ich bin beim DJFV – auch weil ich nicht von einem Aufmerksamkeitsheischer wie Konken vertreten werden will. )

  3. Ich bin übrigens noch Mitglied bei ver.di bzw. dju (deutsche journalisten union) – nur der Form halber. Warum ich noch schreibe, weil ich mit meiner Gerkschaft unzufrieden bin und über einen Wechsel zu den Freischreibern nachdenke.

  4. @Jagermo: Ach Du meinst den „Verband“, der eine Aktiengesellschaft ist? Ich rate Dir dringend die Lektüre des aktuellen „Journalist“ (ja, DJV-Zeitschrift), den Artikel von Ulf Froitzheim. Ein Artikel über den DFJV, der Dir vielleicht eröffnen wird, warum der DFJV die schlechtere Alternative ist (auch wenn man Konken nicht mag).
    Zur ursprünglichen Frage: Ob 10 Euro (oder 30? das klingt ja dann schon mal ganz anders…) gerechtfertigt sind, hängt sicher vom Umfeld ab. Den Journalisten, der damit seinen Lebensunterhalt bestreitet, möchte ich sehen… aber so ist es ja offenbar auch gar nicht gedacht… sondern eher der Student der NAchrichtentechnik, der in seiner Freizeit über DSL-Router schreibt. DAS ist dann das Pendant zum pensionierten Oberstudienrat in den Lokalzeitungen, die wohl jeder kennt, der mal frei gearbeitet hat.

  5. Mag alles sein, täuscht aber nicht darüber weg, dass die Honorarforderung vom DJV unterhalb dem liegt, was die PC-Welt zahlt (bei 30 Euro/500 Zeichen). Selbst wenn man sagt, dass man pro News eine Stunde braucht (was so nicht sein sollte…) kommt man da auf einen ansehnlichen Tagessatz (bei einem Arbeitstag von 10 Stunden).
    Aber klar, schick rüber. Brauchst meine E-Mail? Oder hast die mit meinem Alter Ego gleich miterstalked 😉

  6. Für eine Profi-Schreiber ist das im Prinzip ja auch kein Problem. Aber länge hält man das nicht durch, wenn man sich nur mit solchen Jobs seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Zumal die Summe ja noch ohne Abzüge für Steuern, etc. ist.

  7. Michael Konken ist bekanntlich nicht der große Internetversteher. Und Moritz Jäger hat die Sache mit der PCW-Definition von ‚News‘ im 10-Euro-Beitrag ja aufgeklärt (ich hatte seinen Beitrag erst nach dem Abschicken meines Beitrags gelesen – dauert halt etwas mit dem Freischalten hier).

    Das Problem für den zukünftigen Journalismus wird nicht die schlechte Bezahlung sein. Das Problem wird darin bestehen, dass Journalisten immer weniger gebraucht werden. Die Freien Mitarbeiter von früher (die damals oft schon ‚feste Freie‘ waren) werden schon bald sämtliche Jobs erledigen!

    Und das kann die Qualität der Inhalte sogar dramatisch erhöhen! @Gerald hat im vierten Kommentar den pensionierten Oberstudienrat und den Technikstudenten erwähnt: Die sind in ihrem Bereich fachlich qualifizierter als jeder ‚gelernte‘ Journalist.

    Und was den Bereich Politik und Wirtschaft angeht, da brauchen wir uns über das Ausmaß an Wahrhaftigkeit wohl keinen Illusionen hinzugeben.

    Einem jungen Menschen mit dem Berufswunsch Journalist würde ich empfehlen, Mediengestalter mit Schwerpunkt Internet ins Auge zu fassen. Dass der bereits ein Blog betreibt, setzte ich dabei voraus.

    Gruß vom Gerd

  8. Davon mal abgesehen.
    Wobei man dafür ja eh möglichst viele Quellen haben sollte – da wird es ja schon allein mit Artikelschreiben eng, v.a. wenn man wirklich was verdienen möchte, um auch Ausgaben wie Konferenzen, Gadgets usw vorzufinanzieren.
    Nochmal: Ich verteidige nicht, dass die PC-Welt so wenig zahlt – ich würde dafür wohl nicht arbeiten. Ich wollte nur dazu in Kontext setzen, dass sie für Artikel durchaus auch anständig zahlen können.
    Mich würde mal interessieren, was andere Bereiche (Regionalzeitung, Überregional, Magazine usw) für ähnliche Arbeiten zahlen. Kann/darf da irgendwer was sagen?

  9. @Moritz Jäger:

    Ist schon länger her, dass ich mit Print abgeschlossen habe, aber seinerzeit haben Fachzeitschriften an Freelancer um die 80 D-Mark pro Seite gezahlt. Das wäre für mich auch okay gewesen, wenn es so etwas wie Planung möglich gewesen wäre.

    Planung ist aber für einen freien Autoren nicht möglich gewesen, weil die Verlage gar kein Interesse daran hatten, das zu ermöglichen. Wozu auch, freie Mitarbeiter waren ausreichend verfügbar. Das Internet hat dann die Verhältnisse auf den Kopf gestellt.

    Nochmals kurz zum Problem des Journalismus:

    Noch vor einem Jahr haben Medien-Profis beim Wort ‚Blogger‘ grinsend abgewunken. Die Vorstellung dabei ist gewesen, dass Blogger ohne den Qualitätsjournalismus nicht lebensfähig wären, weil die ja nur die Artikel der richtigen Journalisten verarbeiten.

    Das ist aber nicht so. Blogger sind überall. Die müssen gar nicht zu Konferenzen anreisen. Zwei oder drei, die in der Nachbarschaft der Veranstaltung wohnen, gehen einfach hin.

    Im Moment ist der einzelne Blogger noch ziemlich isoliert, aber das kann sich zukünftig ändern. Soweit ich weiß, gibt es noch keine WordPress-Erweiterung, die es Gastbloggern erlaubt, ihren AdSense- oder Amazon-Code neben ihren Artikel in die Sidebar eines fremden Blogs einzufügen. Wenn aber der Bedarf danach angemeldet wird, ist das einfach zu realisieren.

    Und so könnte der Journalismus der Zukunft aussehen: Der Technik-Blogger hört vom Verkehrsunfall ein paar Straßen weiter, radelt hin, macht Fotos und befragt ein paar Leute und Polizisten – und postet das alles im lokalen Boulevard-Blog. 15 Minuten, nachdem der Unfall passiert ist.

    Grüße

  10. Bei der pcwelt.de gab es mal einen ‚Sicherheitsexperten‘ aus Berlin, der Beiträge für 7 Euro pro Stück abgeliefert hat. Die Texte waren oft ziemlich scheisse und kaum exklusiv, insgesamt aber auch nicht unbedingt schlechter, als das, was der Rest der inkompententen Gurkentruppe bei IDG so verbricht.