Quo vadis CeBIT? Von Green-IT über Webciety zur Musikmesse

Was macht ein Messeveranstalter, wenn von Jahr zu Jahr weniger Besucher kommen und das Interesse der Aussteller sinkt? Er überdenkt sein bisheriges Konzept, nimmt hier und da ein paar Änderungen vor und erfindet sich am Ende neu – und verkündet lautstark, dass dieses Mal alles viel besser und toller wird als beim letzten Mal. Nachdem sich das Motto „Green IT“ nicht wirklich zu einem Publikumsmagneten entwickelt hat, haben die Messeorganisatoren die Webciety mit Vorzeigemann Sascha Lobo für sich entdeckt. Das Medienecho war entsprecht hoch, aber die Besucherzahlen entwickelten sich trotzdem nach unten fort. Nur 400.000 Besucher kamen 2009 aufs Messegelände nach Hannover. Rund 20% weniger als im Vorjahr. Von welche Messe ich hier rede? Die meisten Leser werde es sicherlich schon erraten haben. Es geht um die Deutsche Messe AG und ihre Computermesse CeBIT.

Der neuste Clou der Veranstalter nennt sich „CeBIT Sounds!“ und versteht sich selbst (laut Pressemitteilung) als die neue interdisziplinäre Musikmesse, die vom 2. bis 6. März 2010 auf der CeBIT in Hannover ausgerichtet wird. Wie es sich gehört, hat die Messegesellschaft ein paar namhafte Vertreter des Musik-Business dafür gewinnen können. Unter anderem Henning Wehland („Söhne Mannheim“, „H- Blockx“) und Joel Berger, Europa-Chef von MySpace. Die finden die Idee natürlich toll, denn hier werde endlich das zusammengeführt, was eigentlich schon lange zusammengehört. Zudem bewege sich das Musikgeschäft zu einem sehr großen Teil in den digitalen Welten.

Einen besonders wichtigen Fan haben sie übrigens schon gewonnen: „Ohne Inhalte sind ausgefallene Technologien eher wertlos. Gleichzeitig suchen Filme, Bücher und Musik neue Wege zum Konsumenten. Von daher hat die Idee der CeBIT-Sounds! einen großen Charme, mit Musik als Content auf eine der größten Technologiemessen der Welt zu gehen“, sagte Stefan Michalk vom Bundesverband Musikindustrie heute der Nachrichtenagentur dpa. Der Verband stehe deshalb hinter dem neuen Messekonzept. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die von Köln nach Berlin abgeworbene abgewanderte Branchenmesse Popkomm dermaßen kränkelt, dass sie im vergangenen Jahr sogar kurzfristig abgesagt werden musste. Und in diesem Jahr heißt es also auf nach Hannover.

Und die Chancen für einen Erfolg stehen gar nicht mal so schlecht. Das meint auch Marketing-Experte Deville Schober. Zu seinen Kunden zählen unter anderem große Labels wie Universal, Sony BMG, Emi, Warner und 20th Century Fox:

Wenn sich das ganze Musikbiz vom Ticketverkauf bis hin zur Albumpromotion massiv im Netz bewegt, ist es doch ganz klar, wer die Partner sind. Jetzt ist es höchste Eisenbahn, dass sich Musik mit der IT Branche verknüpft und einen besseren Platz als die CeBIT Sounds! gibt es nicht. Nur dort können Aussteller potentielle Sponsoren kennenlernen, Produkte einer breiten Öffentlichkeit, wie auch Fachleuten vorstellen, neue Kunden gewinnen, Koops mit der IT Branche knüpfen, interessante Menschen aus dem Musikbiz treffen, Einblicke in die IT-Welt und Inspirationen für neue Geschäftsideen bekommen.

Stattfinden soll die Musikmesse in der Halle 22, die bei der CeBIT 2009 noch für die Teilnehmer der Intel Extreme Masters reserviert war. Zentraler Bestandteil des Branchentreffs soll übrigens eine große Event-Bühne sein, auf der jeden Tag Vorträge, Workshops und vor allem Live-Auftritte von Künstlern geplant sind. Erinnert wie irgendwie an das bewährte „Brot und Spiele“-Konzept der alten Römer, um das Publikum zu unterhalten anzulocken. Ich lasse mich überraschen …

08. Januar 2010 von Michael Friedrichs
Kategorien: Event | Schlagwörter: , , , , , | Kommentare deaktiviert für Quo vadis CeBIT? Von Green-IT über Webciety zur Musikmesse