„Schwarzbuch WWF“: Das sagt die Umweltschutzorganisation dazu


Es ist schon interessant, wie Pressestellen mit Anfragen von Journalisten umgehen. Im konkreten Fall hat ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung die WWF-Pressestelle um Beantwortung einiger Fragen hinsichtlich der Diskussion um das Ende April veröffentlichte „Schwarzbuch WWF“ gebeten. Und den WWF trotz ausführlicher Antworten in seinem Artikel nur unzureichend zu Wort kommen lassen. Der WWF reagierte prompt und veröffentlichte die Fragen samt Antworten auf seiner Webseite, mit dem Hinweis auf eine „konsistente und transparente Kommunikation“. Zudem ärgerte sich die Pressestelle der Umweltschützer darüber, dass der Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Hinweis endet, dass man vom WWF Antworten erhofft habe und keine Ausreden oder teure Klagen.

Süddeutsche Zeitung: Wie ist der Stand der Einstweiligen Verfügung gegen das Buch? Ist da schon eine Klage vor Gericht eingereicht worden, und wenn ja bei welchen Landgericht?
WWF Deutschland: Sie werden Verständnis haben, dass wir zu laufenden Verfahren keine Stellung beziehen können.

Meine Meinung: Standardantwort bei solchen Fragen, aber nicht gerade hilfreich. Dennoch findet sich auf den WWF-Webseiten eine befriedigendere Antwort: „Zum Buch gibt es bisher keine gerichtliche Entscheidung. Der WWF hat für zehn falsche Tatsachenbehauptungen einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt. Ein Termin zur mündlichen Verhandlung durch das Landgericht Köln ist für den 15. Juni 2012 anberaumt.“

Süddeutsche Zeitung: Ist der WWF mit der Taktik der Kanzlei Schertz einverstanden, nicht nur eine Einstweilige Verfügung gegen Random zu erreichen, sondern auch gegen alle Grossisten und Online-Buchhändler, damit das Buch de facto nicht zu erwerben ist?
WWF Deutschland: Der WWF setzt sich für den Erhalt der Natur und wirksamen Umweltschutz ein und schon aus diesem Grund wehren wir uns generell und grundsätzlich gegen die Verbreitung von falschen Tatsachenbehauptungen. Auch im Hinblick auf unsere zahlreichen Förderer können wir nicht zulassen, dass falsche Behauptungen in der Öffentlichkeit unwidersprochen bleiben.

Meine Meinung: Die Frage wird nicht beantwortet. Ist der WWF nun damit einverstanden gewesen oder nicht? Im Zweifel gehe ich davon aus, weil Auftraggeber. Aufgrund der Diskussion um den Inhalt des Schreibens an Grossisten und Online-Buchhändler bin ich zudem der Meinung, dass der WWF dieses Schreiben veröffentlicht sollte – wegen der „konsistenten und transparenten Kommunikation“ und um Irritationen diesbezüglich auszuräumen.

Süddeutsche Zeitung: Wird einer der teuersten Medienanwälte Deutschlands eigentlich mit Spendengeldern bezahlt? Da facto kann es ja gar nicht anders sein, oder rekrutieren sie als Verband noch andere Einnahmen außer Spenden?
WWF Deutschland: Um seine Ziele im Umwelt- und Naturschutz nachhaltig erreichen zu können, ist der auch eine Organisation wie der WWF auf rechtliche Beratung angewiesen. Selbstverständlich werden solche Honorare natürlich nicht aus Spendengeldern finanziert, sondern aus den Erträgen unserer Vermögensverwaltung. Ebenso selbstverständlich legt der WWF großen Wert darauf, dass uns unsere Dienstleister deutlich günstigere NGO-Konditionen einräumen. Eine Übersicht über unsere Einnahmen findet sich in unserem Jahresbericht.

Meine Meinung: Die Einnahmen spielen in diesem Fall nur eine untergeordnete Rolle, wie ich finde. Sinnvoller wäre die Ausgaben-Betrachtung in dem Jahresbericht, insbesondere Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten, Gerichtskosten, Anwaltskosten, etc.

Etwas nervig finde ich übrigens den Hinweis (in jedem gefühlt zweiten Satz) auf die über 435.000 Förderer in Deutschland. Gerade diese Menschen verdienen offene und transparente Antworten. Was sie nicht brauchen, sind Ausreden, olles Drumherumgerede oder teuer erkaufte Gerichtsurteile. Ach ja: Recht haben und Recht bekommen sind übrigens zwei paar Schuhe, wie die Erfahrung gelehrt hat. Dementsprechend ist auch der Nachgeschmack bei so einer Geschichte.

06. Juni 2012 von Michael Friedrichs
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Kommentare (2)

  1. vielen Dank, ich kann Ihren Ausführungen zu praktisch 100% zustimmen, auch aus langjährigen eingenen Erfahrungen mit diesem systemkorrupten Konzern.
    Ich habe beim FA Berlin WWF vor längerem angefragt, wie es kommt, das der WWF (Deutschland) als gemeinnützig nach AO ist, natürlich, keine Antwort. Er sit wohl zu systemrelevant geworden. Irgendein Fachjurist/Wirtschaftprüfer sollte sich den (und seine ganzen Schwestern) mal vornehmen. Er hat viele wirtschafliche Leichen im Keller. Bin gerne behilflich. (auch bei seinen Gentöchtern FSC und MSC (utopia vielleicht auch?): Den arroganten Ansatz finde ich Klasse: Zitat: „….uns unsere Dienstleister deutlich günstigere NGO-Konditionen einräumen….“ Frage ich auch mal meinen Anwalt, denn ich mache auch massive NAturschutzarbeit. Einfach nur frech und egozentrisch!
    -Und vielleicht sollte man mal den WWF fragen, wo er den „gute Sachen“ erreicht hat und sie genauer!!!! untersuchen. Ich hätte da einige „Beispiele“ beizusteuern. -und dann immer die Verwirrung, wer spricht den jetzt, der WWF (wordwildfraud) oder der WWF Deutschland, Indoneisen, Argentinien, oder was??? Ich denke, das hat er auch im Aktivrubrum der Einstweiligen Verfügung streng genommen missachtet. NAja…..

  2. Noch einen Kommentar:
    „……sondern aus den Erträgen unserer Vermögensverwaltung….“ Ich frage mich gerade, woher die WWF Deutschland Stiftung denn dieses Vermögen erworben hat, ist es ihm von den Geistern der verstorbenen Adligen des Club 1001 unerklärlich zugeflogen? Wohl kaum, da er nichts mit zu tun. Also verbleiben Zuwendungen von dritten, als Drittgelder, Spenden, Erbschaften etc erklärt, also greenwashed Spenden.
    Oder etwa aus dem Verkauf von Gefälligkeitsgutachten, wie im Fall Mondi? (Welch edle Wandlung dieser Konzern Mondi plötzlich dadurch erfahren hat, eidadaus).
    Soviel ich weiss, hat der WWF auch keine Immobilien in Deutschland, aber darüber schweigen sich die Auskunfteien (im übrigen, noch nie solche Auskünfte gesehen, ein Schelm der da nichts böses denkt) aus…..
    Naja, es wird weiter zu recherchieren sein, es liegen noch viel mehr Leichen beim WWF, und nicht nur im Keller….