„Schwarzbuch WWF“: „Der WWF muss sich auch Kritik gefallen lassen“


Mit einer Pressemitteilung hat sich die Verlagsgruppe Random House nach dem heutigen Gerichtstermin zu Wort gemeldet (siehe unten). Demnach darf die aktuelle Auflage bis zum 20. Juli 2012 sowohl als Print- als auch als E-Book-Ausgabe unverändert vertrieben werden. Inwiefern der Buchhandel auf diese Entscheidung reagieren wird, bleibt abzuwarten.

Heute konnte in einer vierstündigen mitunter sehr kontrovers verlaufenden Verhandlung im Landgericht Köln der Streit um das „Schwarzbuch WWF“ von Wilfried Huismann noch nicht letztgültig beigelegt werden. Das Gericht erklärte, der Fall sei eigentlich zu komplex für das einstweilige Verfügungsverfahren. Ein etwaiges Urteil wäre eines der längsten, das je in dieser Verfahrensart zu schreiben wäre. Deshalb wird das Gericht den Parteien nun innerhalb einer Woche sogenannte Leitlinien zu sämtlichen in Frage stehenden Buchpassagen vorschlagen, und hat sie aufgefordert, auf jener Basis bis zum 20. Juli 2012 eine einvernehmliche Lösung des Rechtsstreits herbeizuführen. Erst wenn bis zu diesem Zeitpunkt keine Einigung erzielt wurde, ist ein Urteil zu erwarten.

Die zuständige vorsitzende Richterin schloss das Verfahren mit den Worten: „Der WWF muss sich auch Kritik gefallen lassen.“

Bereits jetzt haben sich die Parteien darauf verständigt, in einer etwaigen zweiten Auflage die Passage über ein Interview mit einer WWF-Funktionärin leicht zu modifizieren. Moniert wurde, dass diese nun namenlose Funktionärin eine Intervieweinwilligung ausschließlich für den WDR-Film und nicht für das Buch des Autors Wilfried Huismann gegeben habe und das Buch im Vergleich zum Film eine „nicht-flüchtige Darstellung“ sei.

Dies bedeutet insgesamt also, dass bis zum 20. Juli alle Print- und E-Book-Ausgaben des Buchs unverändert vertrieben werden dürfen. Auch ein Vorgehen gegen den Buchhandel, dessen bloße Inaussichtstellung zahlreiche Grossisten bereits jetzt zum Anlass nahmen, das Buch aus dem Vertrieb zu nehmen, ist vor dem Hintergrund der aufgezeigten richterlichen Entscheidung bis zum 20. Juli nicht zu erwarten. Bis zu diesem Termin kann daher jeder Buchhändler das Schwarzbuch WWF weiter verkaufen bzw. wieder ins Programm nehmen.

Lesenswert sind in diesem Zusammenhang in der Süddeutschen Zeitung (SZ) als auch in der FAZ.

Emotional und engagiert war die Debatte, die sich Vertreter des WWF vor dem Kölner Landgericht mit ihren Kritikern lieferten. Am Ende fiel die Entscheidung zugunsten des „Schwarzbuch WWF“. Das Enthüllungswerk darf zunächst ohne Änderungen weiter vertrieben werden.

15. Juni 2012 von Michael Friedrichs
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