Denic-Domainvergabe offeriert kaum Chancen für Privatleute

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Morgen früh ist es soweit. Pünktlich um neun Uhr gibt die Denic das in den vergangenen Tagen viel diskutierte Registrierungsverfahren für ein- und zweistellige Domains sowie für Internetadressen mit ausschließlich Ziffern und Kfz-Kennzeichen, frei. Das Interesse ist groß – vor allem Unternehmen und windige Geschäftemacher wollen die Chance ergreifen, sich die begehrtesten Domainnamen zu sichern. Eine Garantie gibt es im Vorfeld nicht, trotz des hohen finanziellen Einsatzes. Die Vergabe der Domains erfolgt nach dem Prinzip, wer zuerst anfragt, bekommt auch den Zuschlag. Bei rund 270 Registrierstellen dürfte dies kein einfaches Unterfangen werden, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt.

Auf der Domain-Handelsplattform Sedo wurden die begehrtesten Internetadressen bereits vor dem offiziellen Vergabestart meistbietend versteigert. Mit Hilfe von zahlreichen Partnern wolle man versuchen, den Zuschlag für die jeweilige Domain zu bekommen. Spitzenreiter ist derzeit die Adresse com.de. Der aktuelle Stand der Auktion liegt derzeit bei 81.000 Euro, Tendenz weiter steigend. Privatleute, die sich eine der begehrten Domains beispielsweise für die eigene Familienhomepage sichern wollen und nicht über das nötige Kleingeld verfügen, sieht es demnach denkbar schlecht aus. Pech gehabt, wie man so schön sagt.

Ich habe mich für teltarif.de bei einigen großen Webhosting-Anbietern umgehört und sie unter anderem gefragt, wie sie die Chancen beurteilen, dass auch normale Kunden bei der Registrierung zum Zuge kommen.

Andreas Mauer, Pressesprecher 1&1 Webhosting:

Bei den Kürzeln sind die Chancen naturgemäß eher gering. Zum einen gibt es, Umlaute eingerechnet, eben nur 29 x 29 Kombinationen. Wie bei allen Domainnamen wird dann auch bei den kurzen .de-Adressen das Thema Markenrecht eine große Rolle spielen – wenn Hans Petersen die hp.de registriert, kann er sich vermutlich schon einmal auf ein Schreiben von Hewlett Packard einstellen. Hier sollte sich also jeder Nutzer vorab selbst fragen, ob es eventuell Schutzrechte an einer gleichlautenden Marke gibt und ob er gegebenenfalls gewillt ist, das Risiko eines Rechtsstreites auf sich zu nehmen.

Lars Gurow, Pressesprecher Strato:

Wir halten das für ein Lotteriespiel – das ist auch der Grund, warum wir uns daran nicht beteiligen. Zahlreiche Provider verlangen Geld von Kunden, damit diese überhaupt für eine Domain bieten dürfen. Das ist beinhartes Domain-Grabber-Geschäft – das Geschäft von Strato ist es aber, im Rahmen von kompletten Hosting-Dienstleistungen zahlreiche verschiedene Domains zu günstigen Preisen anzubieten.

Peter Müller, Produktmanager Domainfactory:

Die Chancen auf Erhalt einer der neuen Domainnamen sind für alle Interessierten vergleichsweise sehr gering, dass muss man ganz offen und ehrlich feststellen. Und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um private Verbraucher, Unternehmen/Organisationen oder Professionals aus der Domainbranche handelt. Es geht letztlich ja um eine Zahl – bei den richtig begehrten ein- und zweistelligen – von rund 1.300 Domains (was bei derzeit gut 13 Millionen .de-Domains 0,01 Prozent der Gesamtzahl entspricht!). Bei rund 270 Registraren und einer von der Denic auf vier Registrierungsversuche pro Minute erfolgenden Limitierung für jeden Registrar werden diese Domainnamen somit relativ schnell weg sein.

Katja Fricke, Marketing 1blu:

Die Chancen für die Registrierung von ein- und zweistelligen Domains sind aufgrund der zahlenmäßig recht begrenzten Möglichkeiten leider sicherlich nicht allzu groß. Bessere Chancen haben Kunden dagegen bei der Voranmeldung von Zifferndomains. Hier haben wir auch ein besonders großes Interesse feststellen können. Viele Kunden versuchen Domains anzumelden, die ihrem Geburtsdatum, ihrer Telefonnummer oder ähnlich beliebten individuellen Zahlen-Kombinationen entsprechen. Aufgrund der vielen möglichen Kombinationen bestehen bei Voranmeldungen daher besonders gute Registrierungschancen.

Dass die Chancen im Vorfeld der Domainvergabe für Privatleute nicht gut aussehen, dürfte nach diesen Antworten ziemlich eindeutig sein. Es bleibt aber dennoch die Frage offen, wie „normale“ Webhosting-Kunden nach der allgemeinen Registrierungsfreigabe durch die Denic (wahrscheinlich Anfang November) an eine dieser neuen Internetadressen kommen? Ganz einfach. Sie können – wie vorher auch – auf der Homepage ihres Anbieters nach freien Domains suchen und diese dann – in der Regel – zum gewohnten Preis registrieren.

Die ausführlichen Antworten – auch zu den anderen Fragen – poste ich im Laufe des Abends hier im Blog.

22. Oktober 2009 von Michael Friedrichs
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1 Kommentar

  1. Sehr interessante Informationen.
    Auch wenn es eine reine Glücksache ist, freut sich der Glückliche Gewinner über solch eine Domain doch wahnsinnig.