WWF: Chefkommunikator Marco Vollmer verteidigt den Panda auf Facebook

Marco Vollmar, seit Mai diesen Jahres Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Politik beim WWF und in dieser Funktion auch Mitglied der Geschäftsleitung, hat sich in einem Statement auf Facebook ausführlich zu den Vorwürfen von Wilfried Huismanns TV-Doku „Der Pakt mit dem Panda – Was der WWF uns verschweigt“ zu Wort gemeldet:

Die TV-Ausstrahlung „Der Pakt mit dem Panda“ von Wilfried Huismann hat viele Fragen aufgeworfen, die in unterschiedlichsten Foren sehr engagiert diskutiert werden. Auch hier bei facebook. Sie versuchen Ihre durch den Film hervorgerufenen Irritationen oder Ängste in Worte zu fassen und Sie suchen nach Antworten. Für die ernsthafte und engagierte Beteiligung hier bei facebook möchte ich mich zuallererst einmal bei Ihnen bedanken. Ich nehme Ihre Kommentare, die sich in der breiten Mehrheit durch ein hohes Maß an Kompetenz, Engagement und Leidenschaft auszeichnen, sehr ernst.

Als Mitglied der Geschäftsleitung des WWF Deutschland versichere ich Ihnen, dass wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen daran arbeiten, die vielen ungerechtfertigten Vorwürfe zu klären. Diese Erwartung haben Sie an uns und dieser Erwartung wollen wir nachkommen. Ich möchte jedoch auf folgendes hinweisen, dass in der Diskussion und in vielen Kommentaren ein wenig zu kurz kommt:
Ein Team von WWF-Experten recherchiert rund um die Uhr (auch außerhalb der offiziellen Bürozeiten) und versucht aus den entlegentsten Winkeln der Erde Belege und Beweise für unsere Position und die Widerlegung der TV-Vorwürfe zu sammeln. Noch einmal: Darauf haben Sie alle ein Anrecht, die Sie sich für die Arbeit des WWF interessieren und einsetzen und dies auch in Ihren Kommentaren zum Ausdruck bringen.

Nur ein Beispiel: Es ist jedoch schlicht und einfach nicht möglich, innerhalb von 48 Stunden z.B. einen Beleg dafür zu bekommen, dass es dem indigenen Häuptling Kasimirus derzeit gut geht und er mit seinem Stamm innerhalb des Wasur-Nationalparks lebt. Aber – Hand aufs Herz – ist dies an dieser Stelle denn wirklich notwendig, um den Argumenten des WWF zu glauben? Ich finde nicht, denn fest steht, dass Herr Huismann, die Sequenz mit Häuptling Kasimirus aus einer anderer Reportage entnommen hat, die aus dem Jahr 2007 datiert. Dies macht er im Film jedoch mit keiner Silbe deutlich. Im Text heißt es vielmehr: „Wir besuchen einen Punkt auf der Landkarte des WWF. Hier sollen eine Mio. ha Ölpalmen hinkommen, ins Stammesgebiet der Kanume. Sie wissen noch nicht, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Es folgt der O-Ton des Häuptling“ Hier wird der Eindruck erweckt, dass sich Häuptling Kasimirus aktuell äußert und dies trifft nicht zu, da die Sequenz aus einem alten Film stammt. Ist es nun Aufgabe des WWF, Beweise dafür zu finden, dass der WWF dem Chief und seinem Volk freundschaftlich verbunden ist und dass er mit seinem Stamm im Nationalpark Wasur lebt? Ich finde nicht. Das wäre eine Umkehr der Beweislast. Es ist einfach nachzuprüfen, dass die Sequenz aus einem anderen Film stammt. Vielmehr sollte nun Herr Huismann gefragt werden, wie er zu dieser Behauptung kommt. Ich bin hier für eine faire Beweislastenteilung.

Sie kritisieren weiterhin die Kommunikations-Strategie des WWF. Hierzu möchte ich folgendes sagen: Es lässt sich immer sehr leicht in der Nachbetrachtung etwas kritisieren, wenn man nicht selbst in der Verantwortung steht. Damit möchte ich keineswegs die Kritik abtun, jedoch ein wenig für Verständnis werben, wie der WWF in de vergangenen Tagen kommuniziert. Eine solche Situation hat der WWF noch nicht erlebt. Es gibt keine Gebrauchsanweisung für solche Fälle. Wir tun unser mögliches und versuchen Ihren Erwartungen gerecht zu werden. Unser Bestreben liegt darin, die aus unserer Sicht falschen Vorwürfe (dort wo es möglich ist) belegbar zu entkräften und Sie darüber möglichst zeitnah zu informieren. Wenn dies nicht immer zu Ihrer Zufriedenheit erfolgt, bitte ich um Verständnis und um Nachsicht.

Unsere Mitarbeiter, die die Projekte realisieren und die erfolgreiche Arbeit in allen Teilen der Welt leisten, arbeiten derzeit auch in ihrer Freizeit, um Antworten und Beweise zu generieren. Meine Kolleginnen und Kollegen in der Kommunikation versuchen auf allen Kanälen und in allen sozialen Foren, Ihnen Antworten zu geben. Sie machen einen hervorragenden Job. Dass die eine Antwort manchmal ein wenig länger dauert, liegt daran, dass die Rücksprachen mit den Experten manchmal komplex oder sehr zeitaufwändig sind. Ich kann Sie nur bitten, ein wenig Geduld und Nachsicht aufzubringen.

Wir werden in den kommenden Tagen intensiv weiterarbeiten und Ergebnisse liefern. Für konkrete Fragen haben wir eine eigene E-Mailadresse eingerichtet: fakten@wwf.de. Hier werden wir auf jede ernstgemeinte Frage eine Antwort finden.

Bei facebook werden wir uns auch weiterhin darauf konzentrieren, wesentliche Fragen zu bündeln und Kritikpunkte zu sammeln. Antworten zum Film finden Sie in jedem Fall unter wwf.de/faktencheck. Hier stellen wir täglich neue Ergebnisse ein.

Ich hoffe, Sie bleiben uns trotz aller Kritik gewogen.
Ihr Marco Vollmar

Unter den zahlreichen Kommentare unter dem Statement von Marco Vollmar findet sich auch ein Internet-Promi: Helmut Hoffer von Ankerhoffen, der ehemalige Chef des Berliner Tablet-Herstellers WeTab, der selbst nach einem hausgemachten PR-Skandal sein Amt zur Verfügung stellt.

25. Juni 2011 von Michael Friedrichs
Kategorien: Medien, Social Media | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Puh! So lang. So viel Nichtssagendes. So viel Eigenlob. So verschachtelte Sätze. Ein Beamter hätte es nicht schöner schreiben können. Für einen Chefkommunikator sind mir das deutlich zu viele unsortierte Gedankengänge.

    Das hätte man locker auf ein Drittel des Umfangs reduzieren können und damit das Dreifache an Aussagekraft erreicht.

    Beispiel:

    „Unsere Mitarbeiter, die die Projekte realisieren und die erfolgreiche Arbeit in allen Teilen der Welt leisten, arbeiten derzeit auch in ihrer Freizeit, um Antworten und Beweise zu generieren. Meine Kolleginnen und Kollegen in der Kommunikation versuchen auf allen Kanälen und in allen sozialen Foren, Ihnen Antworten zu geben. Sie machen einen hervorragenden Job. Dass die eine Antwort manchmal ein wenig länger dauert, liegt daran, dass die Rücksprachen mit den Experten manchmal komplex oder sehr zeitaufwändig sind. Ich kann Sie nur bitten, ein wenig Geduld und Nachsicht aufzubringen.“

    Dieser Absatz enthält nur eine einzige Aussage, die für den Leser hilfreich ist: „Antworten dauern länger.“

    Diese Stellungnahme enttäuscht mich inhaltlich und stilistisch.

  2. Schön zusammengefasst! Bin jedenfalls gespannt, wie die Sache weitergeht.