WWF-Pressestelle: Kommuniziert ihr schon oder schweigt ihr noch?

Lieben Kollegen in der WWF-Pressestelle. Heute lief es beim Treffen vor dem Landgericht Köln ja nicht so gut, wie man in einigen großen deutschen Tageszeitung – und natürlich auch bei mir im Blog – nachlesen kann. Ich kann gut verstehen, dass Ihr Euch einen anderen Ausgang der Anhörung erhofft habt und Euch nun den Kopf zerbrecht, wie man dieses (wenn auch vorläufige) weniger gute Ergebnis möglichst positiv den vielen Spendern und freiwilligen Unterstützern verkaufen kann.

Bis zum 20. Juli habt Ihr nun Zeit, Euch eine bessere Strategie beim Umgang mit dem „Schwarzbuch WWF„, dem Autoren Wilfried Huismann und dem Güterloher Verlagshaus (Random House) zu überlegen. Und bis dahin darf das „böse“ Buch munter weiter vertrieben werden, welches Dank Eurer ganzen juristischen Trommelei den mutigen Buchhändlern derzeit höchst wahrscheinlich aus den Händen gerissen wird. An dieser Stelle sollte ich mich bei Euch gleich mal artig bedanken, denn ohne dieses Tamtam wäre ich auf die Geschichte und das Buch (den Film habe ich übrigens auch gesehen) vermutlich nicht aufmerksam geworden – und hätte Euch nicht eine ganze Reihe Blogbeiträge gewidmet.

Doch zurück zum Thema: Nach der heutigen Anhörung vor dem Landgericht Köln habe ich im Netz nach Reaktionen recherchiert, dabei eine Pressemitteilung des betroffenen Verlages entdeckt, diverse Artikel in Tageszeitungen und Online-Portalen – aber von Eurer Seite herrscht bis dato Funkstille.

Weder in Eurem eigens eingerichteten und so transparenten Tagebuch der Kommunikation noch auf der Presse-Seite steht eine noch so kurze Info. Der letzte Eintrag ist vom 6. Juni (!!). Auch ein Blick auf Eure Facebook-Seite enttäuscht, trotz mehrfacher Hinweise von „WWF-Fans“ zu den entsprechenden Medienberichten. Unter guter Kommunikation verstehe ich etwas anderes. Oder darf ich davon ausgehen, dass heute Mittag in der Social Media-Abteilung schon Feierabend war?

Fündig wurde ich auf Eurer Twitter-Seite. Überzeugt haben mich die paar Antwort-Tweets nicht. Lachen musste ich übrigens kurz, als ich gelesen habe, dass die dpa-Meldung angeblich nicht korrekt ist. Bis dato habe ich von der dpa jedenfalls keine Korrekturmeldung gelesen. Wie wäre es, in diesem Fall einfach kurz die Hose herunterzulassen und zu sagen, leider ist die Anhörung nicht so gelaufen wie erhofft und so weiter.

Fakt ist doch, dass das Buch bis zum 20. Juli ohne geschwärzte Stellen und mit dem sagen wir mal wenig vorteilhaftem Interview Ihrer Expertin verkauft werden darf. Ob als gebundene Ausgabe oder als eBook-Version, welche es übrigens seit heute Morgen fast überall zu kaufen gibt. Doch zurück zum Twitter-Account des WWF: hier verweist das Social Media-Team unter anderem auf ein wohlwollendes Interview, erschienen in der Jungen Welt mit Datum von heute. Geschickt! Die Überschrift des Artikels: „Nicht das erste Mal, dass er Ärger hat“. Passender – und meiner Meinung ehrlicher – wäre hier übrigens „Nicht das erste Mal, dass er Ärger macht“ gewesen. Gemeint ist hier der dreifach Grimme-Preisträger, Filmemacher und Schwarzbuch-Autor Wilfried Huismann.

Nur so am Rande: Als Jugendlicher war ich ein großer Fan vom WWF. Ich habe sogar mein Taschengeld investiert, um die überteuerten WWF-Telefonkarten mit den putzigen Tierchen zu sammeln. Doch durch die zahlreichen Negativ-Schlagzeilen hat die Stiftung in meinen Augen im Laufe der Jahre immer mehr an Glaubwürdigkeit verloren – und tut meines Erachtens auch zu viel wenig dafür, um zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen. Die finanziellen Mittel sollten hierfür jedenfalls vorhanden sein. Meine Telefonkarten stauben im Album übrigens weiter vor sich hin und meine beiden Kinder nehmen ganz sicher keine WWF-Bildchen von der Supermarktkasse mit nach Hause. Schöne Bilder vom Panda & Co. reichen eben nicht aus, damit sich die dunklen Wolken über dem WWF-Himmel schnell wieder verziehen.

UPDATE: Vor wenigen Minuten (0.30 Uhr, 16.06.2012) ist auf der WWF-Seite die Pressemeldung online gegangen.

16. Juni 2012 von Michael Friedrichs
Kategorien: Medien, Social Media | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. ich finde es eine frechheit eine stundengleiche reaktion vom wwf zu erwarten. die verhandlung startete 15uhr? mal ehrlich. eine frechheit von ihnen, das zu kritisieren, aus moralischer sicht wie auch wirtschaftlicher. überstunden und arbeit nach 21 uhr wird in der regel mit zuschlägen vergütet. das sollte man berücksichtigen im besonderen, wenn kritisiert wird, dass spenden sinnvoller verwendet werden sollen bzw die zur verfügung stehenden mittel der stiftung.

    im übrigen fande ich ihre berichterstattung bis zu diesem zeitpunkt eher informativ als diffamierend. leider haben sie die grenze zwischen information und meinung wie in vorherigen beiträgen einfallen lassen.

  2. Die Anhörung war um 13.10 Uhr und hat Berichten zufolge knapp 4 Stunden gedauert. Die erste Medien haben bereits gegen 18 Uhr über den Ausgang berichtet. Auch die Pressemitteilung von Random House kam zu dieser Zeit. Die Pressemitteilung vom WWF ging um 0.20 Uhr am Folgetag (Samstag) online und war somit für die aktuelle Berichterstattung „wertlos“ – was vielleicht Absicht gewesen kann bei dem Ausgang der Anhörung (was aber keine Unterstellung sein soll).